Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung. Die Kirche lebt wesensmäßig von dem, was im Verborgenen geschieht, durch den demütigen, schlichten, unauffälligen, verborgenen Dienst derer, die die Kirche tragen mit ihrem Gebet und Opfer. Wenn man ein Haus baut, dann muss das Fundament stimmen; es liegt in der Erde, im Verborgenen, dem menschlichen Auge nicht zugänglich. Aber wenn das Fundament nicht stimmt, dann kann man noch so gutes Baumaterial, noch so gute Architekten und Baumeister haben, noch so gute Baupläne – alles wird nicht halten, wenn das, was im Verborgenen liegt, nicht stimmt. Und wir wissen aus eigener Erfahrung: Man kann doch niemanden zu irgendetwas bewegen, auch nicht zum Glauben, mit noch so viel gut Zureden, mit der besten Pädagogik, ja nicht einmal mit dem eigenen guten Vorbild, wenn nicht Gott die Herzen der Menschen anrührt und sie von innen her das annehmen lässt, was wir da von außen an sie herantragen. Wenn nicht der Herr das Haus baut, bauen die Bauleute vergeblich. An Gottes Segen ist alles gelegen.

Der greise Kardinal Tomasek in Prag hat in der Zeit der kommunistischen Verfolgung als ohnmächtiger Hirte wohl bei jedem Gespräch den so bedeutungsvollen Satz gesagt:
„Erstens: wer für das Reich Gottes arbeitet, tut viel.
Zweitens: wer für das Reich Gottes betet, tut mehr.
Drittens: wer für das Reich Gottes leidet mit Christus am Kreuz, der tut das meiste, der tut alles.
Und dieses alles wird bei uns getan und deswegen haben wir die Hoffnung, wird alles gut.“ Und Kardinal Tomasek sollte Recht behalten; er erlebte noch mit über 90 Jahren als amtierender Erzbischof das Ende des Kommunismus und konnte Papst Johannes Paul II. in Prag begrüßen und mit ihm die Hl. Messe feiern.
Leiden mit Christus am Kreuz – denn ohne Kreuz gibt es keine Fruchtbarkeit im Leben, ja ohne Kreuz gibt es überhaupt kein Christentum – wie Jesus selber sagt: Wer nicht täglich sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Das Kreuz ist die Echtheitsprobe des Christentums. Nur wer Christus unterwegs auf Seinem Kreuzweg nicht im Stich gelassen und verloren hat, kann mit IHM zusammen in der Auferstehung ankommen. Christus hat uns nicht durch seine ‚actio‘ erlöst, sondern durch seine ‚passio‘. Anders als in der Welt des aktiven Engagements, die Erfolge mit der Zeit aufweist, bringt die Passion des Kreuzes Frucht für Zeit und Ewigkeit, wie der Herr am Kreuz dem reumütigen Schächer verspricht: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Wenn wir all unser Mühen, Beten, Aufopfern, Kreuztragen mit dem Kreuz Christi verbinden, dann hat es teil an der Fruchtbarkeit Seines Kreuzes, und der Herr wird es zum Segen werden lassen für uns selbst, für die Menschen, für die wir alles aufopfern, oder für die, die es besonders brauchen. Wenn wir so unser Leben mit den Augen Gottes betrachten, dann kann es ein Leben geben, das äußerlich gesehen sehr erfolglos ist – wie das Leben Jesu -, aber innerlich reiche Frucht bringt. Und es kann auch umgekehrt ein Leben geben, das äußerlich gesehen sehr erfolgreich, aber dennoch fruchtlos ist. Der Mensch ist das, was er vor Gott ist – nicht mehr und nicht weniger, wie es der hl. Pfarrer von Ars sagt. Im Reich Gottes gelten andere Maßstäbe als hier auf der Erde. Wenn wir mit dem Ewigen Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns wohnt, auf dem Weg zum ewigen Ostern sind, dann halten wir uns an Seine göttliche Wegbeschreibung: Das Tor ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und nur wenige finden ihn (Mt 7, 13f).

Gleicht euch nicht dieser Welt an, mahnt der Apostel Paulus. Und der greise Kardinal Tomasek sagte immer: Christentum ist etwas für Leute mit Zivilcourage. Christus ist die Quelle unseres Lebens; und wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom, sagt der Volksmund. In der Gemeinschaft mit Christus leuchtet auch durch unser Leben eine andere größere göttliche Welt auf, die alles nur Zeitgemäße überwinden und uns das Ewigkeitsgemäße schenken kann: das ewige Leben mit Christus im Himmel. Amen.

Im Gebet verbunden, Ihr Pfarrer Michael Theuerl