Beiträge zum Jahr des Glaubens 2012/13

Am 11. Oktober 2012, dem 50. Jahrestag der des Beginns des Zweiten Vatikanischen Konzils, eröffnete Papst Benedikt XVI. feierlich das Jahr des Glaubens. In unserer Gemeinde wird es in jedem Monat einen geistlichen Impuls von Vertretern verschiedener Orden und geistlicher Gemeinschaften geben. Wo möglich, werden diese Impulse hier veröffentlicht.

28.10.2012 Institut Verbum Incarnatum (P. Harold)
11.11.2012 Prämonstratenser ( P. Anselm)
09.12.2012 Opus Dei (Pfr. Dr. Weber)
13.01.2013 Dominikaner (P. Kamillus)
10.02.2013 Salvatorianer (P. Hoffmann)
03.03.2013 Neokatechumenat (Pfr. Franklin Zea)
26.05.2013 Benediktiner (Pfr. Kögler)
16.06.2013 Fokolare (Pfr. Dr. Fenski)
14.07.2013 Salesianer (P. Krottenthaler)
25.08.2013 Schönstatt (P. Herther)
08.09.2013 Franziskaner (P. Petar)
27.10.2013 Jesuiten (P. Hillebrand)

Das Jahr des Glaubens im Internet:

Jahr des Glaubens (Seite des Heiligen Stuhls, auch in versch. anderen Sprachen)

Seite des Erzbistums Berlin zum Jahr des Glaubens

„Weder Nostalgie noch Vorauseilen“: Papstpredigt zum Glaubensjahr


Am 10. Februar 2013 war Pater Karl Hoffmann, vom Orden der Salvatorianer in unserer Gemeinde zu Gast. Mit noch unter 130 Jahren sind die Salvatorianer eine relativ junge Gemeinschaft, die allen Menschen die befreiende Botschaft des Evangeliums zugänglich machen will. Sie sind international tätig, so auch in Berlin.

Predigt in den Sonntagsgottesdiensten
am 10. Febr. 2013 in Teltow und Kleinmachnow
(Ev. Lk 5,1-14: Erzählung vom wunderbaren Fischfang, nur bei Lk)

Im heutigen Lukas Ev. geht es um den wunderbaren Fischfang. Es ist ein Gleichnis, eine nachdenkliche Geschichte aus der Arbeit der Fischer. Der Vorschlag Jesu, die Netze zum Fischfang auszuwerfen, stößt bei Petrus und seinen Kollegen auf großes Unverständnis. Warum? Sie sind überzeugt, dass sie besser als Jesus Bescheid wissen, wann es Zeit ist, die Netze zum Fischen in den See zu werfen. Jesus bestätigt den erfahrenen Fischern ihre professionelle Vorgehensweise. Betonen möchte er aber, dass ihre verständliche Vorgehensweise nicht für die Verkündigung der Botschaft Jesu gilt. Konversionen zum Glauben laufen oft anders.

Dazu möchte ich ein anschauliches Beispiel aus unserer Ordensgemeinschaft der Salvatorianer bringen, die von P. Franziskus Jordan in Rom 1881 gegründet worden ist. Unserem Ordensgründer ging es von Anfang an um eine internationale Ordensgesellschaft, um überall missionarisch zu wirken und Menschen für Botschaft Jesu gewinnen zu können. Die Missionierung in Indien ging zu seiner Zeit nur schleppend voran, vor allem im hohen Nordosten von Indien in Assam, nahe dem Tibet gelegen. Der damalige Papst Leo XIII. vertraute unserem Gründer 1889 dieses flächenmäßige gewaltige Missionsgebiet an, in dem etwa 6.500 Christen, darunter 351 Katholiken, lebten.

Fast 125 Jahre sind seitdem vergangen. Heute existieren in Assam zahlreiche Bistümer. Die Anzahl der Katholiken ist enorm gewachsen. Unsere Ordensgemeinschaft hat verschiedene Niederlassungen in Assam, darunter einige Schulen. Es gibt eine enge Partnerschaft zwischen unseren Schulen in Assam und den Schulen in unserer Trägerschaft in Deutschland. Vor vierzehn Tagen vom 26. Januar bis zum 1. Februar kam eine indische Schuldelegation, darunter vier Salvatorianer, nach Berlin, um sich mit der Salvator-Schule in Berlin-Waidmannslust auszutauschen. Viele schulische Veranstaltungen sind durchgeführt worden. Das Verständnis füreinander ist trotz großer kultureller Unterschiede gewachsen. Weihbischof Matthias Heinrich feierte mit allen einen Festgottesdienst.

Kommen wir auf unser Sonntagsevangelium mit dem wunderbaren Fischfang zurück. Heute belastet uns zutiefst, dass die Glaubenssubstanz bei vielen Katholiken, aber auch bei anderen Christen in unserem Staat, abnimmt. Inzwischen ist unser Land selbst ein großes Missionsland geworden. Unsere Bischöfe haben sich darüber verschiedene Male geäußert. Wir spüren es auch in unseren Pfarrgemeinden vor Ort, wie die Kirchenbesucher abnehmen und zur Distanz zur Kirche gehen. Da hinein trifft uns das Wort Jesu genauso, wie damals die Jünger: „Fahrt hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus“ (V. 4). Diese deutliche Aufforderung an Petrus ist in dieser Stunde auch an uns gerichtet. Freilich große Zweifel wie Petrus empfinden wir ebenfalls, denn wir kennen unser schwieriges Umfeld. Aber vertrauen wir dennoch dem HERRN, dass er uns heutzutage genauso die Augen öffnen möchte und das richtige Handeln zeigen wird, wie er es zu allen Zeiten praktizierte. Bleiben wir aus diesem Grunde aufmerksame Hörende für die ‚Zeichen der Zeit‘ und vor allem geduldig, denn der Mensch denkt und Gott lenkt.

P. Karl Hoffmann SDS


Am Sonntag, 9. Dezember 2012, war Dr. Wolfgang Weber, Priester des Opus Dei, in unserer Pfarrei. Das Opus Dei (Werk Gottes) ist eine 1928 vom spanischen Priester Josemaría Escrivá de Balaguer gegründete, internationale Seelsorgeeinrichtung der katholischen Kirche. Seit 1982 ist die Vereinigung von Laien und Priestern Personalprälatur.

Das Kernanliegen der Predigt verdeutlicht Dr. Weber mit einem Zitat von Josef Ratzinger, unserem heutigen Papst Benedikt XVI., bei der Dankmesse zur Seligsprechung des Hl. Josefmaria Escriva:

„Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“ (1 Thess 4,3). Der Wille Gottes ist im letzten ganz einfach und in seinem Kern für alle der gleiche: Heiligkeit. Und Heiligkeit bedeutet, wie uns die heutige Lesung sagt, Christus ähnlich zu werden (Röm 8,29). Josefmaria Escrivá hat den Menschen Mut zur Heiligkeit gegeben. Das Wort „heilig“ hat im Laufe der Zeit eine gefährliche Einengung erfahren, die wohl heute noch immer wirksam ist. Wir denken dabei an die Heiligen, die auf den Altären dargestellt werden, an Wunder und heroische Tugenden und wissen dann, daß das nur für einige wenige Erwählte gilt, denen wir uns nicht zurechnen können. Wir überlassen die Heiligkeit denen, diesen unbekannten wenigen, und bescheiden uns damit, so zu sein, wie wir eben sind. Aus dieser geistlichen Apathie hat Josefmaria Escrivá aufgerüttelt: Nein, Heiligkeit ist nicht das Ungewöhnliche, sondern das Gewöhnliche, das Normale für jeden Getauften. Sie besteht nicht in irgendwelchen unnachahmlichen Heroismen, sie hat tausend Gestalten; sie kann an jeder Stelle und in jedem Beruf verwirklicht werden. Sie ist das Normale; sie besteht darin, das gewöhnliche Leben auf Gott hin zu leben und es mit dem Geist des Glaubens zu durchformen. Mit diesem Auftrag hat unser Heiliger unermüdlich die Kontinente bereist und zu den Menschen gesprochen, um Mut zur Heiligkeit, das heißt zum Abenteuer des Christseins zu geben, wo immer uns das Leben hingestellt hat. So ist er der große Mann der Tat geworden, der aus dem Willen Gottes lebte und in den Willen Gottes hineinrief, aber er ist darüber nicht zum Moralisten geworden. Er wußte, daß nicht wir uns selbst gerecht machen können; so wie die Liebe das Passiv des Geliebtwerdens voraussetzt, so ist auch Heiligkeit immer mit einem Passiv verbunden: mit dem Annehmen des Geliebtseins von Gott.


Am Sonntag, 11.11.2012, war Pater Anselm R. Schadow o.praem. in unserer Gemeinde. Pater Anselm gehört dem Orden der Prämonstratenser an, er ist Pfarradministrator der Pfarrei St. Joseph Luckenwalde.

„Allen alles werden“ – Zum Besonderen des Prämonstratenserordens. Ansprache in der Heiligen Messe am 11.11.2012 (zum Jahr des Glaubens) in Teltow und Kleinmachnow.

Liebe Brüder und Schwestern, – immer wieder werden Prämonstratenser nach dem Besonderen, dem Spezifischen ihres Ordens gefragt. Wie sehen wir unser Leben und unser Tun? Darauf soll ein Jesuit einmal geantwortet haben: Praemonstratenses non habent speciales = an den Prämonstratensern ist nicht Besonderes.

Und tatsächlich, wir machen als ausgesprochener Priesterorden, was andere Priester auch tun, übernehmen in Gemeinschaft oder allein die unterschiedlichsten pastoralen Aufgaben, je nach soziokulturellemn Umfeld, je nach Fähigkeiten und Talenten des Einzelnen. Und auch andere Ordensgemeinschaften tun das; das ist nichts „Besonderes“.- Ob in der ordentlichen Seelsorge in den Pfarreien oder in der Jugendarbeit, in der Einzelbegleitung von Menschen oder z.B. in der AIDS-Hilfe von Brüssel. Oder denken Sie an den berühmten, inzwischen heimgegangenen „Speckpater“ Werenfried von Straaten, der nach 1945 anpackte, wo Not war und das große Werk „Kirche in Not“ ins Leben rief. Wie andere auch.

Also äußerlich ist an Prämonstratensern wirklich keine Besonderheit, die sie von anderen unterscheidet. Sie sind, wie es seit den Anfangstagen hieß, „zu jedem guten Werk bereit“, – wie hoffentlich jeder Christenmensch! Aber wie schaut es mit der, wir würden sagen, inneren Einstellung aus, mit der geistig-geistlichen Grundhaltung?

In einer Lebensbeschreibung unseres Ordensvaters, des heiligen Bischofs Norbert von Xanten heißt es: „Denn (Norbert) war groß unter den Großen und unter den Kleinen ganz klein; gegen alle liebenswert“. Könnte das nicht für alle Prämonstratenser ein Maßstab sein? Und wir bemerken vielleicht, daß das sehr an den Apostel Paulus erinnert: „Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben“ (1 Kor 9,22f).

Allen alles werden – hier haben wir das Prinzip prämonstratensischen Auftrags und Seelsorge. Hier haben wir die Besonderheit meines Ordens. Und die liegt nicht darin, WAS wir pastoral tun, sondern in dem WIE wir pastoral handeln sollen.

Erinnern wir uns noch einmal ganz kurz: Paulus ging es bei all seinem Tun und Handeln darum, Menschen für „Christus zu gewinnen“. Da hinein steckt er seine ganze Energie und Kraft. Darum ist er flexibel, berücksichtigt die Verhältnisse uns Lebensumstände der Menschen. Das heißt aber nicht, daß er allen zu Munde redet, sich verbiegt und seine Überzeugungen preisgibt und seine Fahne in den Wind hängt. Sein Maßstab ist einzig und allein das Evangelium.

Blicken wir nun auf diesem biblischen Hintergrund auf das Leben und Wirken des Heiligen Norbert. Da fällt eine Parallelität zu Paulus auf, den er sich offenbar zum Vorbild nahm und dessen Lebensweise er somit für seine Söhne feststellte.
Die Forscher sagen uns, daß Norbert zunächst gar kein Kloster, keine eigene Klostergemeinschaft gründen wollte. War es schließlich Druck von außen, war es göttliche Fügung, als er sich im Tal von Prémontré in Frankreich niederließ, der in Holland geborene, in Deutschland predigende? In seiner Lebensbeschreibung heißt es: „Victus tandem, – endlich besiegt, aufgrund einer Vision, gibt Norbert den Bitten vieler Geistlicher und Laien nach und verspricht, sich in Prémontré niederlassen zu wollen.“ Damit hatte Norbert sein Ideal eines Wanderpredigers aufgegeben zugunsten einer Klostergründung. Die ersten Professen wurden am Weihnachtstag 1119 abgelegt.

Und dabei schwebte ihm wohl zunächst auch wieder nicht eine klösterliche Gemeinschaft vor, wie wir sie kennen, sondern eher wohl so etwas wie eine religiöse Lebensgemeinschaft von Männern und Frauen unter einem Dach, um immer flexibel zu sein. So wie er, der dann ganz geschwind auch den Ruf zum Erzbischof von Magdeburg annehmen konnte.

Ständig in Bewegung, ständig auf dem Sprung, – für die Menschen. Die eigentliche Ausgestaltung einer Ordensstruktur, wie sie noch heute gilt, ist das Werk von Norberts Nachfolger in Prémontré, Hugo von Fosse.- Wir erwähnten es eben, 1126 nahm Norbert das Amt des Erzbischofs von Magdeburg an. Im Juni 1133 wurde er sogar aufgrund der Verhandlungen zwischen Kaiser Lothar und Papst Innozenz II. zum Erzkanzler für Italien berufen. Ein Großer unter Großen! Man muß sagen, daß das selbst viele seiner Mitbrüder nicht ganz verstanden und sogar erklärten, nicht mehr „Norbertiner“ heißen zu wollen, weshalb sich damals dann der Name „Prämonstratenser“ eingebürgert hat.

Aber dabei vergaß man, was Paulus und Norbert wirklich, bewegte. Auch als „hoher Herr“ ist er als Friedensstifter predigend und versöhnend durchs Land gezogen, konnte sich in zerstrittene Parteien hineindenken und muß eine sehr ausgleichende Art gehabt haben. Übereinstimmend wird von einer besonderen Ausstrahlung und Autorität berichtet, die jeden erst nahm und keinen verlorengab. Und immer, wie die Situation auch war, blieb er seiner Linie treu: ein Leben „gemäß dem Evangelium“ zu führen und Menschen, jeden Menschen, für Christus zu gewinnen. Und selbst Leute, die ihm nicht gut gesonnen waren, mußten feststellen: seit den Zeiten der Apostel hat niemand mehr in so kurzer Zeit so viele Nachfolger Christi gewonnen wie Norbert.

Dabei ist er vielleicht sogar manchen Weg gegangen, der für Außenstehende nicht nachvollziehbar war, aber er ist sich immer seiner Sendung treu geblieben. Er war ein Realist Gottes! Und Seelen zu retten, für Gott zu gewinnen, das bedeutet manchmal auch ungewohnte Wege zu gehen…

Dem sind sich Prämonstratenser auch heute noch verpflichtet, das leitet auch heute noch ihr Tun, wie es Paulus formulierte, wie es Norbert vorlebte: „allen alles zu werden“.

Das heißt auch einer gewissen Verschiedenheit Raum, zu geben, in der Pastoral, in den einzelnen Gemeinschaften. Jeder ist zunächst ernst zu nehmen, auch wenn das manchmal gar nicht so einfach ist. Das heißt aber auch gehorsam sein, so gesinnt sein wie Jesus Christus.
Unser pastorales Handeln ist eng verbunden mit unserem Gehorsamsgelübde. Unsere Lebensweise und Spiritualität als Priester und Prämonstratenser darf nichts Aufgesetztes haben. Es geht vielmehr darum, im konkreten Leben und in unserer ganz konkreten pastoralen Tätigkeit, Gott zu suchen und zu finden. Notwendig dafür ist das Hören auf Gott und Wahrnehmen der Menschen…
Grundlage dafür ist das Gebet, das einmal einer „Gebet der Aufmerksamkeit“ genannt hat. Dieses Gebet bietet die Gelegenheit, Gebet und Arbeit, contemplatio und actio, „Mitsein“ mit dem Herrn und Gesandt sein zu den Menschen miteinander zu verbinden. Dann erst können wir in der jeweiligen Situation allen alles werden.

Und das heißt weiter: die Zeichen der Zeit erkennen, die Lebensumstände und -situationen der Menschen berücksichtigen, die uns anvertraut sind. Mit ihnen, unter ihnen zu leben.

Das heißt: bereit sein für immer neue Aufgaben und neue pastorale Anforderungen. Unser Wahlspruch: ad omne opus bonum parati – zu jedem guten Werk bereit sein – erinnert an das Missionsprinzip des heiligen Paulus.

Und das heißt auch: mit Eifer und Energie Menschen für Christus zu gewinnen und für sein Reich. Jegliche Seelsorge hat demnach ohne „Hintergedanken“ zu geschehen. Nicht wir sind die großen Macher, die Menschen an ihre Person binden, aber dadurch den Blick für Christus versperren. Prämonstratenser stehen als Priester und als Gemeinschaft nicht „über“ den Menschen. Auch wenn wir unsere Existenz als „in persona Christi agere“ – als Christusstellvertreter verstehen.

„Allen alles werden“ heißt: bei den Menschen sein. Uns darf nichts Menschliches fremd sein. Ein Sinn für die Wirklichkeit muß unser Tun prägen. Es geht dabei schlicht um das nüchterne Wahrnehmen und Ernstnehmen der Lebensgeschichten von Menschen, denen wir in der Seelsorge begegnen.

Das heißt aber auch: die Menschen wieder zur Kirche führen. Die Kirchenfemen natürlich, und die Treuen zu bestärken und zu ermutigen. Denn die Kirche ist nicht irgendein Dienstleistungsbetrieb. Die Kirche ist unsere Mutter.

Und letztendlich heißt das für jeden Prämonstratenser: er muß -modem gesprochen- authentisch leben. Wir können und dürfen den Menschen nichts vormachen. Es gibt Grenzen der Anpassung. Und dazu gehört auch, daß man um des Evangeliums willen sagen muß: bis hierher und nicht weiter. Das gilt für den Blick auf die Gesellschaft genau so wie für den auf die Kirche.
Nicht das Schielen auf Anerkennung oder zustimmendes Echo ist wesentlich, sondern allein Christus und sein Evangelium, wie die Kirche es überliefert. –

Viel wäre noch zu sagen. Und vielleicht werden Sie auch nach diesen vielen Worten feststellen, ganz Besonderes ist das nun wirklich nicht. Das gilt für jeden Christenmenschen. Braucht man dazu wirklich Prämonstratenser? Mag sein. Aber wir alle sind noch weit vom Ziel entfernt, vom Auftrag, Menschen für Christus zu gewinnen. Und gerade hier in unserer atheistischen Diaspora könnte es ja sein, daß unsere Aufgabe erst richtig beginnt, als Volk Gottes – Sie , als Prämonstratenser – ich.

Und weil es vom Heiligen Norbert keine überlieferten Worte gibt, lassen Sie mich noch einmal mit dem heiligen Paulus schließen, dessen Worte Norbert von Xanten lebte: Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.

Amen.


Am Sonntag, 28. Oktober 2012, war Pater Harold Bumann, IVE in unserer Pfarrei. Pater Harold ist Ordenspriester des Instituts des fleischgewordenen Wortes IVE (nach Joh 1.14). Der Orden wurde 1984 von Pater Carlos Buela in Argentinien gegründet. Das spezifische Ziel des Ordens ist die Inkulturation oder Akkulturation des Evangeliums. Der Die Ordensmitglieder bemühen sich mit der Hilfe Gottes mit allen Kräften, das Evangelium zu inkulturieren, d.h. die Menschwerdung Jesus Christus in allen Menschen, im ganzen Menschen und in allen Manifestationen des Menschen in Übereinstimmung mit der Lehre des Magisteriums der Kirche zu verlängern.

Zur Internetpräsenz des Instituts des fleischgewordenen Wortes IVE

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Als die selige Mutter Teresa von Kalkutta in dieser Stadt das Haus für die Sterbenden einrichtete, gab es heftigen Widerstand seitens eines benachbarten Hindupriesters. Dieser wiegelte die Leute zu Protesten mit Geschrei auf, die dann wiederum Steine gegen Mutter Teresa warfen als diese am Haus der Sterbenden vorbeiging.
Mutter Teresa blieb ruhig und verrichte weiter ihre Arbeit unabhängig davon, ob die Leute ihr dafür dankten oder nicht.
Einige Monate später wurde entdeckt, dass derselbe Hindupriester an Lepra erkrankt war und selber am Sterben lag. Von seinen Bekannten im Priesteramt wurde er als unrein erklärt und von seiner eigenen Familie wurde er auf die Straße gesetzt.

Als die selige Mutter Teresa davon hörte, suchte sie ihn auf. Sie fand ihn und nahm ihn in ihrem Haus auf. Sie selbst bekümmerte sich nun um ihn und pflegte ihn mit viel Hingabe, ohne auch nur ein Wort des Vorwurfs an ihn zu richten.
In der heutigen zweiten Lesung aus dem Hebräerbrief haben wir folgende Worte gehört: „Jeder Hohepriester wird aus den Menschen ausgewählt und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen. Er ist fähig, für die Unwissenden und Irrenden Verständnis aufzubringen, da auch er der Schwachheit unterworfen ist;“
Weil wir alle Menschen sind und selber sehr oft Schwachheit, Leiden und Not erleben, ist es uns auch möglich, viel Verständnis für andere Menschen in gleichen Lebenssituationen aufzubringen.
Bestimmt auch deswegen ist Gott in Jesus Christus, dem Wort, Fleisch oder eben Mensch geworden. In seinem Menschsein in Jesus Christus versteht uns Menschen, Gott nun sicher noch viel besser.
Aber mit der Menschwerdung Gottes ging es Gott noch um viel mehr.
Alles Menschliche, und nicht die Sünde, soll praktisch von Gott aufgesaugt werden, um somit eine Veredelung, ja eine reale Beteiligung an Gott für den Menschen zu bewirken. Der Mensch soll zum Gott in Beteiligung erhoben werden.
Die selige Mutter Theresa von Kalkutta zeigt uns mit dem soeben erzählten Beispiel der übernatürlichen Nächstenliebe auf, wie diese Veredelung oder Beteiligung in Gott des Menschen konkret aussieht.
Unser kleiner religiöser Orden oder religiöses Institut, welches sich das „Fleischgewordene Wort“ nennt, ist bestrebt, diese Veredelung durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, zu leben und in die jeweilige Kultur hineinzutragen. Die Kultur selbst, ja ganze Nationen sollen durch und mit Jesus Christus zu dieser Veredelung hingeführt werden.
In unseren Konstitutionen lesen wir: „Das besondere Charisma des Instituts liegt in der Folgsamkeit jedes einzelnen Mitglieds in seiner Arbeit gegenüber dem Heiligen Geist; nach dem Beispiel Mariens, mit dem Ziel alles authentisch Menschliche durch Christus zu veredeln auch in schwierigen Lebenslagen und unter widrigen Umständen.
Es ist das Geschenk, zu bewirken, dass jeder Mensch wie eine neue Inkarnation des Wortes sei, im Hinblick auf die eigentlich missionarische und marianische Sendung jedes Gläubigen.
Deshalb lautet der vom Gründer erhaltene und von der Kirche bestätigte Auftrag, die Folgen der Fleischwerdung des Wortes zur Vollendung zu bringen. „Die Vereinigung von Mensch und Gott ist die Wurzel alles Guten„, besonders in der weiten Welt der Kultur, das heißt in der „Manifestation des Menschen als Person, Gemeinschaft, Volk und Nation.„
So lautet dann das spezifische Ziel unseres Instituts: „Die Einkulturisierung des Evangeliums, um die Inkarnation des Wortes auf „jeden Menschen, im ganzen Menschen und in jeder Manifestation des Menschen“ auszudehnen , im Einklang mit dem Lehramt der Kirche.
Nun, wie kann dies konkret geschehen? Die widrigen Situationen im menschlichen Leben, die sich wegen der Sündhaftigkeit der Menschheit ergeben und die Sündhaftigkeit selbst eines jeden einzelnen Menschen sollen zu Jesus Christus zur göttlichen Verwandlung hingebracht werden.
Der blinde Bettler Bartimäus im heutigen Evangelium ist uns diesbezüglich ein Vorbild. Viele wurden schon ärgerlich über sein Geschrei. Doch noch mutiger schreit er: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Trotz den Beschimpfungen und vielleicht des Spotts der Leute lässt er sich nicht abbringen von seiner tiefen Überzeugung und Hoffnung, dass Jesus Christus, der erwartete Retter seiner widrigen Situation ist.
In einer Welt, wo die Einzigartigkeit und Göttlichkeit von Jesus Christus hinterfragt und relativiert wird, braucht es wiederum diesen Mut, die Überzeugungskraft, die Beharrlichkeit und das kindliche Vertrauen in IHN, Jesus Christus, den einzigen Retter, der Menschheit.
Mit dieser mutigen und überzeugten Einstellung sollen wir voll Vertrauen unsere widrigen Lebenssituationen zu Jesus Christus hinbringen, damit die göttliche Verwandlung von ihm her geschehen kann.
So wird Gott unsere Bitten immer erhören, ich wiederhole immer. Er wird uns oft vielleicht nicht das geben, um was wir ihn bitten, sondern Er wird uns etwas Besseres schenken.
So kann es zum Beispiel geschehen, dass Er eine kranke Mutter nicht heilt, sie aber mit Gnade und Milde überhäuft, damit sie mit diesen Geschenken Mittel zur Bekehrung ihres in schwerer Sünde stehenden erwachsenen Sohnes sein kann. Gott weiß, dass es hier in diesem Leben auf Erden ist, wo entschieden wird, ob wir einst die ewige Glückseligkeit oder die ewige Verdammnis erlangen. Deshalb hat die Heilung unserer Seele bei ihm Priorität.
Jeder sündhafte Mensch und das sind Sie und ich, ja wir die gesamte Menschheit sollen zu Jesus Christus hingebracht werden, damit jeder durch IHN eine einzigartige göttliche Verwandlung mit den übernatürlichen Vorfreuden des Himmels wahrnehmen kann.
Scheuen wir uns nicht, uns IHM immer mehr voll Vertrauen anzunähern.
Jesus hat uns dazu besonders zwei wunderschöne Sakramente geschenkt, die wir mit immer mehr Vertrauen nutzen können. Das Sakrament der Beichte und das Sakrament der Eucharistie.
Und niemand sollte meinen, er würde diese einzigartige Hilfe Gottes nicht benötigen.
Umso mehr wir diese zwei Sakramente wirklich mit Vertrauen nutzen, umso schneller kann die Umwandlung von uns selbst zu einem Gott in Beteiligung geschehen.
Die Sakramente schenken uns die Gnade Gottes. Diese wird aber keinen fruchtbaren Boden finden, solange wir nicht mit unserem freien Willen mit diesen Geschenken Gottes zusammenarbeiten.
Es braucht erst einmal unsere freie, klare Entscheidung für Gott. Und Gott wird uns gar nichts nehmen. Im Gegenteil, in ihm werden wir die wirkliche Freiheit finden.
Die Menschheit unseres Herrn Jesus Christus ist uns bei dieser Entscheidung das einzigartige belehrende Vorbild, damit wir eine weitere Inkarnation – Menschwerdung – Gottes werden können.
Jesus war innerlich unabhängig von jeder materiellen Anhänglichkeit. Jesus war ohne Sünde. Jesus war die reine Milde und von einzigartiger Güte. Jesus verzichtete immer auf seinen eigenen Vorteil. Jesus war immer hilfsbereit und kümmerte sich wirklich um die Armen. Jesus war äußerst demütig und friedfertig. Jesus liebte seine Feinde. Jesus war keusch. Jesus war gehorsam. Und Jesus war bereit, sein Leben für den Nächsten, d.h. für uns alle hinzugeben.
Wir könnten noch viele weitere wunderschöne Eigenschaften vom Gott-Menschen Jesus Christus, der vor ca. 2000 Jahren hier auf dieser Welt gelebt hat, aufzählen.
Es geht für uns alle darum eine weitere Inkarnation – Menschwerdung- Gottes durch, mit und in Jesus Christus zu werden. Und dies ist nicht ein unmögliches Ziel.
Die selige Mutter Theresa gab und gibt uns immer noch ein lebendiges Zeugnis davon. Amen.


Liebe Brüder und Schwestern im Glauben,

am 11. Oktober 1962 begann das II. Vatikanische Konzil, die große Weltversammlung der Bischöfe, um – vom Hl. Geist geführt – Glaube und Kirche in Christus zu erneuern. Papst Benedikt legt uns ans Herz, das Goldene Jubiläum mit einem „Jahr des Glaubens“ zu begehen, in dem wir uns um Glaubenserneuerung und –vertiefung bemühen, die Freundschaft mit Christus und die Schönheit unseres Glaubens neu entdecken und leben. Der Glaube hat immer zwei Aspekte: der personale (1) und der inhaltliche (2).

(1) Als Jünger Jesu glauben wir – wie am Anfang der Kirche und zu allen Zeiten – an eine Person: Jesus Christus, dem wir unser Vertrauen schenken und der uns in Seine Freundschaft ruft, wenn er sagt: ich nenne euch nicht Knechte, ich nenne euch Freunde. Glaube ist also zunächst eine persönliche Beziehung zum Herrn. Das lateinische Wort „credo“ (ich glaube) beschreibt diese personale Seite des Glaubens sehr schön, denn es kommt von „cor-dare“ (das Herz geben). Das Herz schenken wird man nur jemandem, den man liebt, zu dem man eine persönliche Beziehung hat. Ohne dieses persönliche Verhältnis zum Herrn kann man nicht Christ sein. Das Jahr des Glaubens möge uns Anlass sein, die Freundschaft mit Christus im persönlichen Gebet, im Gottesdienst und im Betrachten der Hl. Schrift zu vertiefen.

(2) Je länger die Jünger Jesu von seiner Person begeistert sind, umso stärker kommt dann die inhaltliche Komponente des Glaubens dazu (nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters tut). Man kann nicht die Person Jesu haben, aber seine Botschaft ablehnen. Aber da spielen viele nicht mehr mit; sie wenden sich von Jesus ab: seine Worte sind hart; wer kann das mit anhören?! Bis heute sagen viele: ich lasse mir doch meinen Glauben nicht vorschreiben! Sie können sich nicht damit anfreunden, dass Gott selbst in diese Welt hineingekommen ist, sich eingeschrieben hat in die Geschichte der Menschheit und den Weg zu Gott vorgeschrieben hat in den Schriften des Alten und Neuen Testaments, in dem Gottessohn Jesus Christus, dem einzigen Mittler, der mit Seinem mystischen Leib – die Kirche mit ihren Sakramenten – bis ans Ende der Zeiten die Menschen mit Gott verbindet. Wenn wir diese inhaltlichen „Vorgegebenheiten“ – Offenbarung Gottes in Schrift und Tradition – demütig annehmen und uns gläubig einfügen lassen in Gottes Heilswirklichkeit, dann leben wir wirklich als Kinder Gottes in Gemeinschaft mit Gott – was kann es Schöneres geben?!“ Die Hl. Schrift sagt: Glaube kommt vom Hören, das heißt: Horchen – Gehorchen. Die heutige Krise des Glaubens besteht nicht nur darin, dass die meisten Christen nicht viel Ahnung von den Inhalten des Glaubens haben, sondern dass ihnen auch die Demut fehlt, den Glauben im Gehorsam anzunehmen. Ohne die gläubige Annahme der Botschaft Jesu kann man nicht Christ sein. Das Jahr des Glaubens möge uns Anlass sein, die Inhalte unseres Glaubens besser kennen zu lernen im Studium von Bibel und Katechismus.

In einem individualistischen Zeitalter meinen viele, Kirche sei eine menschliche Gesellschaft, in der man sich über seine religiösen Interessen und Erfahrungen austauscht und vielleicht auch irgendwie einigt. So entstehen „basisdemokratisch“ immer neue Sekten, die keinen Bestand haben können, weil ihnen die Verankerung in der Offenbarung Gottes in Schrift und Tradition fehlt. Für den Glauben ist es unerheblich, was Frau X. meint oder Herr Y. denkt – beide können das Heil nur finden, wenn sie aus ihrem kleinen subjektiven „Ich“ herauskommen in die Fülle des Glaubens, in die Größe Gottes, der sich in Seiner Liebe den Menschen geoffenbart hat und ihnen Anteil an Seinem Ewigen Göttlichen Leben schenkt.
So möge das Jahr des Glaubens uns alle zu einer Gewissenserforschung anleiten und uns eine neue Hinwendung zu Christus und Seiner Botschaft schenken, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben – wie es der Herr selbst versprochen hat.

Im Gebet verbunden

Ihr

Michael Theuerl, Pfr.